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Zunftmeister-Stabwechsel bei den Webern

Am Bott der ehrenwerten Zunft zun Webern Schaffhausen ereignete sich am 24. Mai 2025 Historisches: Dr. Roland E. Hofer übergab nach 12 erfolg- und ereignisreichen Jahren den Zunftmeister-Stab an den 2. Zunftmeister, Nationalrat Thomas Hurter.

Der scheidende Zunftmeister wurde mit Zigarren und Rum aus fernen Landen, einem Weinflaschenhalter aus dem Fundus unseres Silberherrn Laszlo Bardoczi sowie mit launigen Worten seines Nachfolgers Thomas Hurter zünftig verdankt. Roland E. Hofer machte seinerseits der Zunft das grosszügige Geschenk eines in Silber gefertigten und vergoldeten Doppelpokals, der bei künftigen Neuaufnahmen und Anlässen der Zunft Verwendung finden und im Übrigen auch die Ausstellungsvitrine im Museum zu Allerheiligen mit den anderen Zunftpokalen bereichern soll.

Roland E. Hofer hat das Zunftleben der Weber in seiner Zeit als Zunftmeister mit seiner Grosszügigkeit, seinem Humor und seiner Gabe, allen Interessen und Befindlichkeiten gerecht zu werden, nachhaltig geprägt. Auch wenn in kulinarischer Hinsicht seine Vorliebe eher dem Wein als den süssen Verführungen gilt, so werden das «höfische» Dessert im Zunftsaal des Restaurants Frieden – Baba au Rhum – sowie die spendierte Birnentorte am jährlichen Michaelismahl uns «Webern» zweifellos in Erinnerung bleiben.

In seine Zeit als Zunftmeister fielen auch der zünftigen Weiterbildung gewidmete Ausflüge der Weberzünfter und ihrer Gattinnen ins Museum Spinnerei Neuthal in Bäretswil (August 2014; Motto: „Vom Baumwollballen zum Garn“), ins Kloster Fahr mit Besichtigung der Paramente aus der klostereigenen Benediktinerinnen-Weberei (Mai 2017), und mit Corona-bedingter Verspätung die Fahrt zum Textilmuseum St. Gallen, inkl. Besichtigung der Stiftsbibliothek (Juni 2022). Natürlich kamen bei diesen zünftigen Exkursionen auch die gesellschaftlichen und kulinarischen Genüsse nicht zu kurz!

Roland E. Hofer war aber auch die Pflege der Beziehungen zu den uns nahestehenden Schwesterzünften in Basel, Bern und Zürich sehr wichtig. Besonders in der Stube der Zunft zur Waag in Zürich – sei es anlässlich des Sechseläutens oder des Martinimahls (mit oder ohne Gans) – war er häufiger und stets gern gesehener Gast, wo er dank seiner rhetorisch ausgefeilten und humorvollen Ansprachen mittlerweile legendären Status erlangt hat.

Roland E. Hofer gewann in seiner langjährigen Tätigkeit im Vorstand der Zunft zun Webern Schaffhausen und als Vertreter der Weberzunft in der Stiftung der Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte einen vertieften Einblick in das Zunftleben unserer Stadt, so dass wir es an dieser Stelle nicht verpassen wollen, von seinen wichtigsten Erkenntnissen zu profitieren.

Philipp Hallauer: Lieber Roland, wenn Du auf Deine zwölf Jahre als Zunftmeister der Zunft zun Webern Schaffhausen zurückblickst, was sind Deine schönsten Erinnerungen?

Roland E. Hofer: Erinnerungen gibt es viele, die schönsten zu nennen, fällt daher schwer. Sicherlich aber gehören dazu nicht nur der jeweilige Zunftbott, sondern eben auch unsere übrigen Zunftaktivitäten, wie das Michaelismahl und die Zunftausflüge. Sie haben das Zunftleben nachhaltig bereichert. Auch dazu gehören die vielen und bereichernden Besuche bei befreundeten Zünften, und darunter ganz besonders der 750-jährige Geburtstag der E. E. Zunft zu Webern Basel im Jahr 2018.

Philipp Hallauer: Wie schätzt Du als Historiker die heutige Rolle und Aufgabe der Gesellschaften und Zünfte in Schaffhausen ein?

Roland E. Hofer: Die Gesellschaften und Zünfte sind Traditionsvereine, die gerade weil sie Traditionen verkörpern, nicht aus der Zeit gefallen sind. Dies gilt, selbst wenn sich der Zeitgeschmack stetig wandelt. Die Gesellschaften und Zünfte sind historisch betrachtet Solidargemeinschaften. Ein Gedanke, der auch in der heutigen Zeit keineswegs überholt ist.

Philipp Hallauer: Welchen Rat gibst Du den Schaffhauser Gesellschaften und Zünften in Bezug auf das künftige Gedeihen des Zunftlebens in Schaffhausen?

Roland E. Hofer: Mit Augenmass die berühmte und sehr kluge Maxime zu verfolgen: «Reform in order to preserve.» Dies tönt auf den ersten Blick vielleicht widersprüchlich, ist aber vermutlich eines der besten Geheimnisse, das Überleben als Institution in historischer Perspektive zu sichern.

Philipp Hallauer / Februar 2026