ZUNFTHAUS DER WEBER

Das alte Zunfthaus befand sich an der Weberngasse 27 und wurde erstmals 1387 schriftlich erwähnt. 1777 erfolgte der Umzug ins neue Zunfthaus an der Vordergasse (vis à vis der Kirche St. Johann), welches 1858 verkauft wurde. Lediglich das in Stein gehauene farbige Zunftwappen weist noch auf die einstige Bedeutung dieses stattlichen Hauses hin.

Die beiden adeligen Gesellschaften und die zehn Handwerker-Zünfte in Schaffhausen besassen von jeher ihre eigenen Häuser, in denen sie ihre Versammlungen und Beratungen abhielten und sich zu geselligen Anlässen trafen. Den Bedürfnissen des zünftischen Lebens entsprechend, wiesen alle diese Zunfthäuser – so sehr sie sich in ihrer architektonischen Ausgestaltung auch unterschieden – den gleichen Bautypus auf: mit dem grossen (Wein-) Keller zuunterst, der Empfangshalle und dem Leichensaal im Erdgeschoss, der (gewöhnlichen) Trinkstube im ersten und dem Festsaal im zweiten Obergeschoss. Aus ursprünglich meist sehr einfachen Lokalen waren vor allem während der baufreudigen Epochen der Renaissance und des Barocks, aber auch noch in der beginnenden Klassizistik überaus repräsentative Bauten entstanden, von denen viele bis heute eine ausgesprochene Zierde unserer Altstadt bilden, auch wenn sie allesamt schon vor weit über hundert Jahren veräussert und ihrem eigentliehen Zwecke entfremdet worden sind.

Alter Tradition gemäss entsprach die amtliche Aufzählung der Zünfte genau der Reihenfolge, in der die einzelnen Häuser – vom Rheinlauf her gesehen – standen. Eine Ausnahme bildete hierbei einzig die Weberzunft, deren Umzug von der Weber- nach der Vordergasse im Jahre 1777 an dieser hergebrachten Ordnung nichts mehr zu ändern vermochte.
Sehr deutlich ist auch die starke Konzentration der Zunfthäuser auf die alte Hauptverkehrsachse Unterstadt-Vordergasse-Oberstadt. (Quelle: Hans Ulrich Wipf, «Schaffhauser Zünfte», Broschüre des Schweizerischen Bankvereins Schaffhausen, 1985)