GESCHICHTE

Historische Mosaiksteine. Die erste Erwähnung des Schaffhauser Leinentuchhandels im Zusammenhang mit dem Handel im Raume Comersee geht auf das Jahr 1228 zurück. Gemäss eines Genueser Notariatsregisters hatte ein Handelsschiff, welches 1252 von Genua nach Syrien segelte, einen grossen Posten Schaffhauser Leinwand an Bord. Die hiesigen Weber hatten also bereits einen internationalen Ruf erlangt. Die Webergasse in der Altstadt von Schaffhausen wurde erstmals im Jahre 1253 erwähnt; die erste Trinkstube der Weber im Jahre 1382. Wann genau die Webernzunft gegründet wurde, liegt im Dunkeln. Sicher ist, dass die Webernzunft bei der Einführung der Schaffhauser Zunftverfassung 1411 (die bis 1798 ihre Gültigkeit hatte) mit dabei war. Nebst den Leinen- und Wollwebern wurden zur Weberzunft auch die Wannenmacher, Siebmacher, Tuchhändler und später die Hutmacher gezählt.

Zunfthaus.  Das alte Zunfthaus befand sich an der Webergasse 27 und wurde erstmals 1387 schriftlich erwähnt. 1777 erfolgte der Umzug ins neue Zunfthaus, die Weberstube an der Vordergasse 41, welches 1858 verkauft wurde. Lediglich das in Stein gehauene farbige Zunftwappen mit dem Zunftspruch «nuptam Societatem Concordia nil turbet», weist noch heute auf die einstige Bedeutung dieses stattlichen Hauses hin.

Die beiden adeligen Gesellschaften und die zehn Handwerker-Zünfte in Schaffhausen besassen von jeher ihre eigenen Häuser, in denen sie ihre Versammlungen und Beratungen abhielten und sich zu geselligen Anlässen trafen. Den Bedürfnissen des zünftischen Lebens entsprechend, wiesen alle diese Zunfthäuser – so sehr sie sich in ihrer architektonischen Ausgestaltung auch unterschieden – den gleichen Bautypus auf: mit dem grossen (Wein-) Keller zuunterst, der Empfangshalle und dem Leichensaal im Erdgeschoss, der (gewöhnlichen) Trinkstube im ersten und dem Festsaal im zweiten Obergeschoss. Aus ursprünglich meist sehr einfachen Lokalen waren vor allem während der baufreudigen Epochen der Renaissance und des Barocks, aber auch noch in der beginnenden Klassizistik überaus repräsentative Bauten entstanden, von denen viele bis heute eine ausgesprochene Zierde unserer Altstadt bilden, auch wenn sie allesamt schon vor weit über hundert Jahren veräussert und ihrem eigentlichen Zweck entfremdet worden sind.

Alter Tradition gemäss entsprach die amtliche Aufzählung der Zünfte genau der Reihenfolge, in der die einzelnen Häuser – vom Rheinlauf her gesehen – standen. Eine Ausnahme bildete hierbei einzig die Weberzunft, deren Umzug von der Weber- in die Vordergasse im Jahre 1777 an dieser hergebrachten Ordnung nichts mehr zu ändern vermochte. Sehr deutlich ist auch die starke Konzentration der Zunfthäuser auf die alte Hauptverkehrsachse Unterstadt-Vordergasse-Oberstadt.

Alte Traditionen – neu belebt. Seit einigen Jahren besitzt die Zunft zun Webern im Zunftsaal des Restaurants Frieden wiederum eine Rucktafel, in der die Familienwappen der Zünfter aufgereiht sind. Im weiteren besitzt jeder Mitzünfter seinen eigenen, gravierten Weinbecher. Umhang, Zunftabzeichen, Zunftkrawatte sowie Zunftfoulards für die Damen sind die äusseren Insigien der Zünfter an den Anlässen. Eine Zunftlaterne (im alten Stil) sowie eine neue Zunftstandarte markieren an den grösseren Zunftanlässen die Präsenz der Werbernzunft. Die aufwendige und teure Restaurierung der beiden ältesten Zunftprotokollbücher unterstreicht auch die Pflege unseres Zunftarchives.

Quellen und ergänzende Literatur mit wissenschaftlichen Beiträgen zur Schaffhauser Zunftgeschichte:

Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 38, 1961: Aufsatzsammlung zur Zunftgeschichte aus Anlass des 550-jährigen Jubiläums der Einführung der Zunftverfassung 1411-1961

Schaffhauser Beiträge zur Geschichte, Bd. 84, 2010: Aufsatzsammlung zur Zunftgeschichte aus Anlass des 600-jährigen Jubiläums der Einführung der Zunftverfassung 1411-2011

Historische Stadtrundgänge, hg. vom Historischen Verein des Kantons Schaffhausen 2013 (= Schaffhauser Beiträge zur Geschichte, Bd. 86, 2012). Enthält einen Rundgang zu den Zunfthäusern und zur Zunftgeschichte.

Hans Ulrich Wipf, «Schaffhauser Zünfte», Broschüre des Schweizerischen Bankvereins Schaffhausen, 1985

www.zuenfte.ch